Wo sich Storch und Biber Gute Nacht sagen

Die Dömitzer Eisenbahnbrücke an der Elbe
Dellien im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue
Die Elbe

Die Flusslandschaft Elbe ist ein von der UNESCO anerkanntes Biosphärenreservat. WERKHAUS unterstützt den Schutz dieser Natur- und Kulturlandschaft seit Ende 2016 als Partnerbetrieb.  Ideell und in der praktischen Betriebsführung verschreiben wir uns – wie auch die anderen Unternehmen in diesem Netzwerk – ei­ner nachhaltigen Entwicklung der Region. Unser destinature Dorf liegt mitten im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue. Tobias Keienburg von der Biosphärenreservatsverwaltung hat uns bei der Realisierung des Standorts begleitet. Im Interview berichtet er von der Zusammenarbeit und stellt das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue vor.

Tobias Keienburg Tobias Keienburg arbeitet im Dezernat für Information, Bildung, nachhaltige Raumnutzung/Forschung der Biosphärenreservartsverwaltung Niedersächsische Elbtalaue. Er unterstützt die Öffentlichkeitsarbeit und befasst sich mit dem Thema nachhaltige, regionale Entwicklung.


Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit, Herr Keienburg?

Zum einen beteiligen wir uns an dem bundesweiten Partnerprogramm der Nationalen Naturlandschaften. Hier geht es darum, dass Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks mit Unternehmen oder anderen Einrichtungen Kooperationen eingehen und das im Sinne einer Zertifizierung der Unternehmen als „Schutzgebiets-Partner“. Außerdem bin ich zuständig für die Beratung einer besonderen Förderrichtlinie des niedersächsischen Umweltministeriums. Die Richtlinie heißt „Landschaftswerte-Richtlinie“. Sie wird von der EU und dem Land co-finanziert und dient dazu, das sogenannte niedersächsische Kulturlandschafts- und Naturerbe attraktiver zu gestalten und in Wert zu setzen: Natur erlebbar machen und darüber zu bilden. Zweitens geht es um Partnernetzwerke in den niedersächsischen Großschutzgebieten. Hier geht es darum, sich gegenseitig zu helfen und neue Ideen qualitativ gut umzusetzen. Und im dritten Punkt geht es um klassische Naturschutz-, Diversitätsmaßnahmen und Biotop-Verbund Maßnahmen und die Förderung konkreter Naturschutzprojekte.

Wie ist WERKHAUS hier engagiert?

Die Bezüge zu WERKHAUS ergeben sich über das Partnernetzwerk, das wir seit 2011 hier im länderübergreifenden Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe umsetzen. WERKHAUS destinature ist im Jahr 2016 als Biosphärenreservats-Partner im Bereich „Produzierendes Gewerbe“ und 2019 mit der Eröffnung des destinature Dorfs zusätzlich in den Bereichen „Gastronomie“ und „Übernachtungen“ zertifiziert worden.

Welche Aspekte spielten bei der Zertifizierung und Förderung von destinature und dem destinature Dorf eine Rolle?

Der Umgang mit nachhaltigen Materialien und deren ressourcenschonende Verarbeitung war neben dem Angebot an Bio-Lebensmitteln im Bistro und dem sozialen Engagement natürlich ein entscheidendes Thema bei der Zertifizierung von WERKHAUS destinature als Biosphärenreservats-Partner. Auch für die finanzielle Förderung des destinature Dorfs durch die Landschaftswerte-Förderrichtlinie war die Verwendung nachhaltiger Materialien für den Bau der Hütten ein wichtiges Kriterium. Wir würden uns wünschen, dass sich die Gäste im destinature Dorf über das Nachhaltigkeits-Konzept des Dorfes informieren und hiervon einige Ideen „mit nach Hause“ nehmen. Aber auch im Zuge des Naturerlebnisses wollen wir eng zusammenarbeiten, beispielsweise im Rahmen von Führungen mit den Gästen – zum Beispiel durch die zertifizierten Natur- und Landschaftsführer. Und schließlich sehe ich viel Potenzial in der Zusammenarbeit zwischen WERKHAUS und dem benachbarten Archäologischen Zentrum – ebenfalls einem Partner des Biosphärenreservats. Denn das AZH betrachtet das Thema Nachhaltigkeit noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive, nämlich aus der von vor dreitausend Jahren. Und vielleicht lassen sich ja interessante Schlüsse aus der Beziehung von Mensch und Natur in dieser Zeit für die heutige Zeit herstellen!

Karte Biosphärenreservat Flusslandschaft ElbeWelche Ziele hat das Partnernetzwerk?

Das Partnernetzwerk setzt auf eine enge Zusammenarbeit, die auch durch einen Kooperationsvertrag besiegelt wird. Sie soll in beide Richtungen positiv wirken: Für den Partner und auch für die Verwaltung. Der Partner kann gegenüber Gästen und Kunden das Biosphärenreservat vertreten, ihr Interesse daran wecken und zur Akzeptanz des Gebiets beitragen. Übergeordnet sind wir als Biosphärenreservat sogenannte „Modellregionen für nachhaltige Entwicklung“ und die UNESCO erwartet von uns, dass wir den Menschen zeigen, wie nachhaltige Entwicklung funktionieren kann. Die Partner sind gute Vorzeigemodelle für eine ganze Reihe von Nachhaltigkeitszielen. Sie entwickeln einen Fundus an Ideen, mit denen man den Begriff der nachhaltigen Entwicklung deutlich konkreter fassen kann. Uns ist ein breites Spektrum an Unternehmen wichtig, klein, groß, schon sehr nachhaltig oder noch auf dem Weg dahin! Wir wollen die Lust und den Willen bei den Betrieben wecken, sich weiterzuentwickeln und gleichzeitig zur Bekanntheit und zum Schutz des Biosphärenreservats beizutragen – dabei wollen wir natürlich alle mitnehmen.  Was die Herkunft der Partner angeht, haben wir in unserem Fall gesagt, dass wir nicht nur die Einrichtungen und Betriebe einbeziehen, die innerhalb der eigentlichen Grenzen des Biosphärenreservats liegen, sondern angrenzende Gemeinden noch in die „Biosphärenregion“ mit aufnehmen. Denn das eigentliche Biosphärenreservat ist ja sehr dünn besiedelt, und ein großer Teil der Wertschöpfung findet zwischen Schutzgebiet und seinem Umland statt. Das heißt, dass in unserem Fall der gesamte Kreis Lüchow-Dannenberg und auch Gemeinden im östlichen Landkreis Lüneburg einbezogen werden.

Destinature ist dann ja schon sehr nah dran!

Ja, fast mittendrin. Tatsächlich grenzt das destinature Dorf unmittelbar an das Biosphärenreservat an, liegt aber formell ganz knapp außerhalb – und damit im angrenzenden Naturpark „Elbhöhen-Wendland“. Aus touristischer Sicht wäre es natürlich sehr attraktiv gewesen, das destinature Dorf direkt in freier Natur in der Nähe der Elbe zu errichten. Dies hätte aber das strenge Naturschutzrecht nicht zugelassen. Jetzt wurde in Hitzacker aber ja eine aus meiner Sicht gute Alternative gefunden. Die Nähe zum Bahnhof mit direkter Zugverbindung nach Lüneburg und und zur Ortslage in Hitzacker sind aus meiner Sicht schon große Vorteile.

Was sind sonst die Besonderheiten bezüglich Flora und Fauna in der Gegend? Gibt es Arten, die nur dort vorkommen?

Wenn Sie jetzt die endemischen Arten ansprechen, haben wir bei uns ganz spezielle Pflanzenarten wie das Elbe-Liebesgras und die Elbe-Spitzklette, die am Elbufer wachsen. Die Elbe ist insgesamt sehr artenreich, mit vielen typischen und bekannten Tierarten. Nehmen Sie zum Beispiel unsere „Flaggschiffarten“ wie den Elbe-Biber, den Seeadler, den Kranich, und natürlich den Weißstorch, der hier fast in jedem Ort ein Nest hat. Mit etwas Glück und Geduld kann man diese beliebten Arten in der Elbtalaue sehen, wenn man ein Auge dafür hat. Rechnet man alle Vogelarten zusammen, also die Brutvögel im Sommer und die nordischen Gastvögel im Winter, kommen wir auf 200 bis 250 Arten. Weitere geschützte Säugetiere sind etwa der Fischotter und immerhin 16 der 19 niedersächsischen Fledermausarten.

Wie wird der Klimawandel im Netzwerk thematisiert/bearbeitet?

Im Partnernetzwerk kann man ganz anschaulich beschreiben, wie ressourcenschonendes Wirtschaften funktionieren und CO2 eingespart werden kann. Der Klimawandel ist aber einfach ein sehr umfangreiches Thema, bei dem wir noch nicht genau abschätzen können, wie sich beispielsweise die Verbreitung unserer Tier- und Pflanzenarten, das Verhalten unserer Zugvögel oder die Vegetationsperioden verändern werden. Gemeinsam mit den regionalen Akteuren versuchen wir, langfristige Lösungen zu erarbeiten, die gute Kompromisse zwischen den wirtschaftlichen Belangen und Ansprüchen unserer Tier- und Pflanzenwelt darstellen. Bei der Zusammenarbeit mit WERKHAUS sieht man ja ganz deutlich, dass es ein Ziel ist, zu zeigen, dass Tourismus auch nachhaltig sein kann.

Interview: Jennifer Wilke